Sonntag, 25. November 2018, 17 Uhr

Das Zentrum, Europasaal

DUO Moderato Cantabile

Anja Lechner, Violoncello

François Couturier, Klavier

George I. Gurdjieff

Sayyids no.3: Hymn 7   

Komitas

Chinar es

Frederico Mompou

Cancion y danza VI

François Couturier

Voyage

Papillons

Carl Friedrich Abel

Praeludium in D

Anouar Brahem

Vagues

George I. Gurdjieff

Hymn no. 11 

Frederico Mompou

Fêtes lointaines no. 3

Musica Callada XXVII: Impresiones intimas I

François Couturier

Soleil rouge

Ticketservice

      Migrationen, wo man hinschaut (Einführungsvortrag zum Konzert von Dr. Frank Piontek)
Hörproben:    

Moderato Cantabile

Tarkovsky Quartet

Valentin Silvestrov

Lechner & Couturier © Mark Mushet, ECM Records-min.jpg    

Die Cellistin Anja Lechner, in Neubeuern am Inn aufgewachsen, war Schülerin von Heinrich Schiff in Basel sowie von János Starker, bei dem sie mit einem Stipendium der Deutschen Studienstiftung in Bloomington, Indiana, studierte. Einem breitem Publikum wurde Anja Lechner bekannt, durch das von ihr mitbegründete Rosamunde Quartett, das von 1991 bis zur Auflösung im Jahr 2009 zu den gefragtesten und innovativsten Streichquartetten der internationalen Musikszene zählte. Von 1993 bis 1998 hatte sie eine Gastprofessur an der Musikhochschule in Graz inne. Heute unterrichtet sie in München. Sie tritt bei vielen internationalen Konzerten und Musikfestivals als Solistin und Kammermusikerin hervor und hat mit Orchestern wie der Amsterdam Sinfonietta, dem Tallinn Chamber Orchestra unter dem Dirigenten Tõnu Kaljuste, dem Norwegian Chamber Orchestra, dem Armenian Philharmonic Orchestra, der Slowakischen Philharmonie und dem Münchner Kammerorchester zusammengearbeitet. Das ist die eine Seite der zurückhaltend erscheinenden Künstlerin Anja Lechner. Ebenso bemerkenswert sind die für eine klassisch ausgebildete Cellistin ungewöhnliche Fähigkeit zur Improvisation, sowie ihre ausgeprägte Affinität zu anderen Kulturen. Das hat die Aufmerksamkeit von Künstlern unterschiedlichster Stilrichtungen und Weltgegenden erregt: von Dino Saluzzi, dem genialen argentinischen Bandoneon-Meister, mit dem Anja Lechner nun schon seit Mitte der neunziger Jahre hochoriginelle Projekte mit traditionellen und eigenen Tangos realisiert; von François Couturier, der die sensible Musikerin für die Hommage an den Filmemacher Andrej Tarkovsky in sein Quartett holte und mit dem sie 2013 ein Duo gegründet hat, oder der Geigerin Patricia Kopatchinskaja mit der sie das Doppelkonzert des armenischen Komponisten Tigran Mansurian für ECM eingespielt hat, vor allem aber von zeitgenössischen Komponisten, die ihr die Uraufführung ihrer Werke anvertrauten: Valentin Silvestrov, Arvo Pärt, Tigran Mansurian, Tõnu Kõrvits, Gheorghi Arnaoudov, Zad Moultaka, Konstantia Gourzi und Hooshyar Khayam. Ihre Einspielungen, vorwiegend bei ECM – sind mehrfach ausgezeichnet worden, neben Streichquartetten von Haydn und Schostakowitsch die Werke des Mystikers Gurdjieff „Chants, Hymns and Dances“, die Aufnahme von Valentin Silvestrovs „leggiero, pesante“ (Grammy Nominierung), „Ojos negros“ mit Dino Saluzzi oder „Nuit blanche“ mit
dem Tarkovsky Quartett.
Im September 2017 erschien bei ECM die Einspielung „Hieroglyphen der Nacht“, mit dem Gesamtwerk für Violoncello solo von Valentin Silvestrov, die abermals für den Grammy nominiert ist.

     

Nach einem Jahrzehnt gemeinsamer Arbeit im Tarkovsky Quartet und zusätzlich zur andauernden Verbindung im Pergolesi Project (mit Sängerin Maria Pia de Vito) stellen die Cellistin Anja Lechner und der französische Pianist François Couturier ihr neues Duo vor. Darin gehen sie die Musik von unterschiedlichen Startpunkten an: Lechner ist eine klassisch ausgebildete Solistin mit ungewöhnlichem Interesse an Improvisation, Couturier ein Jazzmusiker, der sich immer weiter vom Jazz entfernt. Auf Moderato cantabile präsentieren sie ihre eigenen Arrangements der Werke dreier faszinierender Außenseiter der Musikgeschichte – G.I. Gurdieff, Komitas und Federico Mompou. Deren Musik zeigt in unterschiedlichen Graden Einflüsse aus dem Osten, sowohl was ihre Beziehung zu Folktraditionen und zu sakraler Musik angeht, als auch in philosophischer Hinsicht. Eine kontemplative Aura durchzieht die Session. Im Programm gibt es Verbindungen zu Anja Lechners vielgelobter Auseinandersetzung mit der Musik von Gurdieff auf dem Album Chants, Hymns and Dances (mit Vassilis Tsabropoulos), doch das neue Duo hat eine eigene Identität, und Aufenthalte in Armenien haben Anja Lechners Verständnis der Zusammenhänge, aus denen dort die Musik entsteht, vertieft: Ihr Cello nimmt in diesen Stücken fast die Rolle eines Sängers ein, es erforscht die starken Melodien. François Couturiers Kompositionen fungieren hier sowohl als kontrastierende wie als ergänzende Elemente. Als Interpret hat Couturier sich schon lange mit Mompous Musik beschäftigt. Er ist zusätzlich durch seine Verbindung mit Anouar Brahem beeinflusst, hat die Klangfarben des Mittleren Ostens auf seiner Palette. Moderato cantabile, ein verblüffendes und ungewöhnliches Album, wurde im November 2013 in der reichen Akustik des Auditorio Radiotelevisione svizzera in Lugano aufgenommen und von Manfred Eicher produziert.